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Strömkarlen - Edda Sånger

Störmkarlen ist eine deutsch-schwedische Folk-Band aus Dresden und wurde im Jahr 2004 gegründet. Ihre Musik ist stark von der Folklore Irlands und Skandinaviens inspiriert. Passenderweise handelt es sich bei dem Bandnamen um den Namen eines Wassergeistes, welcher in den Flüssen Schwedens wohnt und mit den wunderschönen Klängen seiner Fiedel ahnungslose Wanderer in die Fluten des Flusses lockt.

Das Trio besteht aus:

Stefan Johansson: Gesang, Gitarre

Christina Lutter: Gesang, Geige, Tin-Whistle

Guido Richarts: Gesang, Kontrabass, Bodhrán, Piano

Ergänzt wird die Band durch Gastmusiker, die bei Konzerten und CD-Produktionen mitwirken.

Das Album „Edda Sånger“ ist das fünfte Werk von Strömkarlen und wurde im März 2015 veröffentlicht. In dem Album sich die Band der „Edda“ (zwei ursprünglich in isländischer Sprache verfasste literarische Werke über skandinavische Götter- und Heldensagen) gewidmet und diese in ein neues, wunderschönes musikalisches Gewand gekleidet.

 

Das Album kommt als gebundenes Buch mit blauem Einband und goldener Schrift daher. Im Inneren verbirgt sich neben zwei CDs ein richtiges Buch. Es enthält die Liedtexte in Nynorsk (Neu-Norwegisch), Dänisch und Schwedisch, die entsprechenden Übersetzungen auf englisch und deutsch, sowie interessante Informationen (ebenfalls auf englisch und deutsch) über den Inhalt der jeweiligen Liedtexte und über die musikalische Umsetzung der Lieder. Ergänzt wird das Kunstwerk durch Informationen über die Band, sowie ein paar Fotografien und Zeichnungen.

Erwähnenswert ist zudem, dass das Album in zwei Themenbereiche aufgeteilt ist (Teil 1: „Gods & Giants“, Teil 2: „Wisdom & War“). Das wird zum einen durch die zwei CDs deutlich, zum anderen ist das Buch im Inneren zweigeteilt. Um den zweiten Teil zu lesen, muss man das Buch umdrehen und quasi von neuem aufschlagen, da man sonst den jeweils anderen Teil über Kopf lesen müsste.

Kommen wir nun zu den einzelnen Liedern: 

CD 1 (Gods & Giants):

„Völuspá I – Ár var alda“ („Die Erschaffung der Welt“) schleicht sich leise heran. Es hat den Anschein, als würde ein Sturm herauf ziehen. Das Lied baut sich langsam auf und besticht durch starke Stimmen, eine ungarische Waldzither, sowie ein von Jan Heinke konstruiertes Stahl-Cello. Ein sehr kraftvoller Opener, welcher am Ende zu einem Tänzchen einlädt. Der Text zählt zu den bedeutendsten der altnordischen Dichtkunst und beschreibt die Erschaffung der Welt durch die Götter. Der Originaltext umfasst fünfzig Strophen, aus denen Strömkarlen drei Abschnitte ausgewählt und vertont haben.

„Hétumk Grímr“ bedeutet „Die Namen Odins“. Das Lied verzaubert mit wunderschönen Geigen- und Gitarrenarrangements, sowie mit Guido' s warmem, vollem Solo-Gesang. Einmal abtauchen und träumen bitte! Flötensoli und elfengleiche Chöre entführen endgültig und das Reich Odins, Yggdrasil und Co. In dem Lied wird die Erschaffung der Erde und der Menschen sehr genau beschrieben. Im Refrain offenbart Odin einige seiner Deck- und Beinamen.

„Thrymskvida“ („Die Heimholung des Hammers“) beginnt einem kurzen, aber kraftvollen Männerchor. À capella muss man singen können, damit es gut klingt und Strömkarlen können das definitiv, wie sie (nicht nur auf diesem Album) mal wieder unter Beweis stellen. Weiter geht es mit einer schwungvoll gespielten Mandoline und Stefan' s warmer Stimme, die die Geschichte gesanglich erzählt. In Refrain begegnen uns die Chöre (dieses mal mit musikalischer Untermalung) wieder. In dem Text wird erzählt, wie sich Thor mit einer List seinen Hammer Mjöllnir von dem Riesen Thrym zurück holt, da dieser Mjöllnir zuvor gestohlen hat.

Bei „Allvismål I – Under jordi eg bur“ („Die Brautwerbung“) stehen die starken Stimmen der Sänger im Vordergrund. Dies wird durch tolle Soli und beeindruckende Chöre besonders deutlich. Gitarren, Flötensoli und Trommeln begleiten den Gesang. Zwischendurch Ende ist in irischer Jig zu hören, der von einer Geige angeführt wird. In dem Lied wird erzählt, wie der Zwerg Alwis bei Thor um die Hand seiner Tochter anhält. Wie das ausgeht, erfahren wir im nächsten Lied.

„Allvismål II – Seg meg då, Allvis“ („Thors List“) beginnt mit den klang gewaltigen Chören, die wir aus dem vorherigen Lied bereits kennen. Auch der irische Jig findet sich wieder und bietet gerade Freunden irischer Folklore einen wahren Ohrenschmaus. Die beiden Lieder stehen in engem Zusammenhang zu einander.

In „Allvismål II – Seg meg då, Allvis“erfahren wir, wie die Brautwerbung des Zwergs ausgeht.

„Mang ei god møy“ („Odins Weiberklage“):  Warme Männerstimmen und ein wunderschön geflochtener Klangteppich der Instrumente führen durch das mittelalterlich angehauchte Stück und werden zeitweise von Christina' s zartem Gesang unterstützt. Der Text stammt aus der „Hávamál“ (auch als „Sittengedicht“ bekannt), welche aus mehr als hundert Strophen besteht und mit seinen Ratschlägen und Verhaltensregeln in alten Zeiten als eine Art „Wegweiser für den Alltag“ diente.

„Reprise Mang ei god møy“ („Reprise Odins Weiberklage“) ist ein Instrumentalstück und kommt als flottes Tänzchen daher, welches mit Drehleier, Flöte, Bodhrán und Gitarre zum Mitmachen einlädt.

Das letzte Lied auf der ersten CD heißt „Bidjum Herjafödr“ („Freyas Gebet“). Drehleier und kraftvolle Gesänge lassen das Lied wie ein Gebet wirken und legen den Fokus auf den Text. Es handelt sich hierbei um ein Gedicht, in dem die Göttin Freya zusammen mit der Riesin Hyndla nach Walhall reiten will. In dem Text bittet Freya Odin und Thor um Beistand und Schutz.

  

CD 2 (Wisdom & War):

„Völuspá II – Ask veit ek standa“ („Der erste Krieg“): Gitarre, schöne Soli und tolle Chöre werden hier von einem Cello untermalt und läuten musikalisch die im Text beschriebenen Veränderungen ein. In dem Text wandelt sich die Welt, was im ersten Krieg und in der brennenden Halle Odins endet.

Leicht und beschwingt kommt „Groagaldr“ („Zaubergesänge der Groa“) daher. Christina erzählt in dänischer Sprache von dem jungen Helden Swipdag, der sich auf eine große Reise begibt, um eine Braut zu werben.

„Jag råder dig, Loddfavner“ („Loddfafnirs Lied“): Stefans ausdrucksstarke Stimme steht hier im Vordergrund und wird u.a. von Gitarre und Slideguitar untermalt.

Das Lied gehört ebenfalls zum „Hohen Lied“. In dem Text wird dem jungen Mann Loddfafnir eine Fülle an Ratschlägen gegeben.

Ruhig und von Drehleierklängen getragen beginnt „Árle i old, då ørnane gol“ („Die Geburt von Helgi dem Hundingstöter“). Kurz darauf „wacht es quasi auf“. Zeitweise möchte man das Tanzbein schwingen. Warme, klare Stimmen singen ein Heldenlied, welches von dem Leben und den Taten des Helden Helgi berichten.

„Hjalmars Dödskväde“ („Hjalmars Sterbelied“): Stahl-Cello und schwere Klavierklänge sorgen für die düstere Stimmung in dem Lied. Der Text wird zu Beginn eher gesprochen und wandelt sich dann in einen sanften Gesang. Später kommen stimmgewaltige Chöre dazu und erwecken ein wenig den Anschein, als würden Engelschöre singen. Der Text stammt aus der isländischen Herwarar- Saga. In dem Lied nimmt der edle Recke sterbend Abschied von allem Weltlichem.

Archaisch und getragen begegnet uns „Völuspá III – Ragna rök“ („Weltuntergang“). Eindringlicher Gesang, Zither und Stahl-Cello läuten das große Finale des Albums ein. Eine E-Gitarre gesellt sich zu einem kraftvollen Chor und bereitet der CD einen tollen Abschluss. In dem Lied beschreibt eine Seherin den nahenden Weltuntergang.

Fazit: Ein tolles Album, welches nicht nur Liebhabern der nordischem Mythologie gefallen dürfte. Strömkarlen zeigen auf ihrem neusten Werk ihr ganzes Können und wecken Vorfreude auf die nächste CD. Eine kurze Rezension war in Anbetracht des beachtlichem musikalischen, als auch inhaltlichem Spektrum nicht möglich. Das Album ist sehr vielschichtig und nichts zum „nebenbei hören“. Es macht nicht nur Spaß, sondern auch Sinn sich gut in das Booklet einzulesen, um sich voll und ganz auf die musikalische Reise von „Edda Sånger“ einlassen zu können.

Wertung:      

Eure Morgaine

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