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Zirp - Drehvolution

Zirp ist eine Band von FAUN' s Drehleiergott Stephan Groth. Zirp bezeichnet ihre Musik selbst als „Drehleierfusionfolk“. Als was bitte? Begeben wir uns also auf musikalisches Neuland voller Überraschungen. Das Debüt-Album der Zirper aus Dresden ist am 30.03.2012 erschienen.

Die Mitglieder der Band sind:

Stephan Groth (Drehleier, Low Whistles)

Olaf Peters (DADGAD- Gitarre)

Florian Fügemann (Schlagzeug, Perkussion)

und Florian Kolditz (Kontrabass)

 

Das Cover der CD ziert passenderweise eine Drehleier-Grille (zirp, zirpen, Grille) und ist in Gelbtönen gehalten. Zeichnungen von Gras und Kräutern runden das Bild ab. Im Inneren des Booklets findet man ein paar Fotos der Band, sowie Informationen auf deutsch und englisch zu den insgesamt zehn Instrumentalstücken. Die Drehleier-Grille scheint sich in ihrem natürlichem Umfeld besonders wohl zu fühlen und zeigt sich mehrfach. Das Booklet ist informativ und ohne zu viel Schnick-Schnack. Die Lieder schreiben die „FusionFolk“- Pioniere größtenteils selbst. Ein paar Stücke sind traditionell.

 

Der „Prolog“ begrüßt den Hörer mit dem Zirpen von Grillen, sowie Gitarrenklängen die einen in Gedanken auf eine abendliche Sommerwiese entführen. Leider endet das Stück sehr abrupt, sodass man zunächst glauben könnte, der CD- Player sei kaputt.

Beim „A Reel Intro“ handelt es sich um ein schnelles, an Reels (irische und schottische Tanzmelodien im 4/4-Takt) erinnerndes Stück, welches von einer hervorragend gespielten Drehleier dominiert wird. Sanfte Gitarrenklänge und flotte Flöten gesellen sich später dazu und laden zum Tanzen ein. Aufgewacht, jetzt wird gezirpt!

„Vitamin G“ basiert auf einem Paartanz namens „Schottisch“. Spätestens jetzt dürfte beim Hörer der Funke endgültig übergesprungen sein. Schnelle Melodien und ruhigere Parts wechseln sich ab. Wie das Lied zu seinem Namen kommt, bleibt allerdings ein Geheimnis.

„El Vals“ ist ein Walzer. Zu Beginn ist eine sehr schön gespielte Gitarre zu hören. Dann übernimmt wieder die Drehleier, welche durch die anderen Instrumente sehr schön untermalt wird. Das Lied beginnt wie ein typischer Walzer. Ruhig, fast schon bedächtig. Man fängt unweigerlich an zu schunkeln. In der zweiten Hälfte des Liedes setzen Kastagnetten ein und verleihen dem Stück eine spanische Note. Olé! Nachdem sie ein zackiges Solo hingelegt haben, gesellen sich wieder die Drehleier und die anderen Instrumente dazu und lassen das Lied nach ein paar weiteren Walzerrunden, mit einer dominierenden Gitarre und sanften Drehleiertönen ausklingen.

Wer nun immer noch nicht genug vom Tanzen hat, der wird sich über das nächste Lied „Sevensk“ sehr freuen. Es handelt sich hierbei um ein Stück, welches im Gewand eines schwedischen „Schleudertanzes“ (Slängpolska) daher kommt. Mitreißend, tanzbar. Wer nun noch auf dem Stuhl sitzt, ist selbst schuld. Besonders zu erwähnen ist die im Mittelteil verzerrte Drehleier. Klänge, die man wohl so noch nicht gehört hat.

Weiter geht es mit „Zirpoloness“. Das Lied beginnt mit treibenden Gitarren und Drehleiern, zu denen sich rasch eine irische Low Whistle gesellt. Diese gibt in dem Lied den Takt an, fordert den Zuhörer zu Tanzen auf. Zirp wären allerdings nicht Zirp, wenn das schon alles gewesen wäre. In dem Lied mischen sie die Melodie einer traditionellen Polonaise mit einer uns bereits aus dem vorherigen Lied bekannten schwedischen Slängpolska. Der im Booklet erwähnte Beitrag zur kulturhistorischen Verwirrung lässt sich definitiv nicht abstreiten und darf (wie wohl einige Texte und Anmerkungen in dem Booklet) mit einem Augenzwinkern betrachtet werden.

Der „Schottisch Lounge“ bietet den mittlerweile müden Tanzbeinen die Gelegenheit für eine kleine Verschnaufpause. Oder auch nicht. Was mit einer wunderbar gespielten Gitarre beginnt und zunächst nach einem etwas ruhigeren Lied klingt, entpuppt sich schnell als hübsches Tänzen, zu dem sich weiterhin gut das Tanzbein schwingen lässt.

„La Toupie“ beginnt zunächst wie ein Rock-Stück. Düstere, treibende Klänge einer Drehleier schleichen sich von hinten an. Gitarren und Schlagzeug kommen dazu. Wüsste man es nicht besser, so würde man zeitweise eine E-Gitarre im Hintergrund vermuten (tatsächlich handelt es sich um eine brillant gespielte Drehleier). Soli einer Akustik-Gitarre, sowie der Drehleier bringen etwas Abwechslung in die schnelle Polka. Da soll mal jemand sagen, man bräuchte E-Gitarren um epischen, zirpigen Rock zu spielen.

Die „Dahlhoff Poloness“ ist ein traditionelles Stück aus Welver in Westfalen. Zirp verleihen dem Tanzlied durch ihren unverwechselbaren Stil ein paar ganz neue Facetten. Die Drehleier steht auch hier im Vordergrund und führt den Hörer durch das Stück.

„Wasa Polska“ bildet das Finale des Erstlingswerks der Zirper. Hier zeigen sie noch einmal ihre Vielfältigkeit und Kreativität.

Die Drehleier führt durch das Lied, welches von einer schwedischen Polska inspiriert ist. Tanzen erwünscht! Kurz abgelöst wird Stephan' s Lieblingsinstrument im Mittelteil durch eine Gitarre, zu der sie sich auf sehr experimentelle Weise schnell wieder dazu gesellt. Eine Drehleier lässt sich von einer Gitarre nun mal nicht die Butter vom Brot nehmen.

 

Fazit: Wer keine Angst vor ungewöhnlichen Klängen, neuartigen Arrangements und einer „in eine E-Gitarre verwandelte Drehleier“ hat, dem sei „Drehvolution“ von Zirp wärmstens empfohlen. Die Jungs aus Dresden haben sich mit ihrem ersten Album auf musikalisches Neuland gewagt und haben so ein Stück Musik geschaffen, welches definitiv unter „erfolgreicher Pionierarbeit“ zu verzeichnen ist. Wieder mal ein Beweis, dass es sich lohnt etwas neues auszuprobieren, ungewöhnliche Wege zu gehen und ruhig ein bisschen anders zu sein.

Wertung:     

Eure Morgaine

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