W E R B U N G
Dudelsack-Drehleier-Unterricht Alex Zwingmann

Faun - Luna

Die Faune sind mit LUNA auf eine neue Reise gegangen. Wie in Vorgängeralben, beispielsweise Eden, drehen sich die Songs um ein gezielt ausgewähltes Thema. Hier nun um das Thema der Nacht und, durch den Titel bezeichnet, des Mondes. Im Folgenden wird die Deluxe-Edition des Albums vorgestellt, daher bitte ich zu beachten, dass es Unterschiede zwischen den Versionen von LUNA gibt.

Zu allererst, wie immer: Das Design. In weiß-blau gehalten, mit einzelnen Seiten in Brauntönen und roter Zierschrift, wirkt das ganze Design wie eine sternenklare Nacht. Das Zeichen des Mondes ziert das Booklett. Dieses ist gespickt mit Bildern und Zeichnungen, Hintergrund- und Entstehungsgeschichten, sowie mit Zitaten, passend zum Thema. Ein wirklich schönes Begleitbüchlein.

Der kurze Prolog beginnt mit Grillenzirpen und seichten Klängen. Nach einer Weile setzt eine Frauenstimme ein, trotzdem kann es als instrumental bezeichnet werden.

Durch das dazugehörige Musikvideo wird „Walpurgisnacht“ bereits mehr Menschen bekannt sein, als viele der anderen Stücke. Der Tanz zur Walpurgisnacht ist seit jeher ein ganz besonderer. Es ist eine der traditionsreichsten Nächte in Deutschland.

Ein besonderes Intro eröffnet „Buntes Volk“. Die Stimmen von Fiona und Micha Rhein von In Extremo ergänzen sich auf wunderschöne Weise. Eine sanfte und helle Frauenstimme und dazu im Kontrast stehend die raue Stimme von Micha. Eine sehr gelungene Kooperation. Die Freiheitsliebe der Spielleute und der Musik im Allgemeinen durchhaucht dieses Lied.

Zu den Klängen der Bouzouki kommen die hohen und reinen Stimmen von Katja und Fiona dazu. Das Stück „Menuett“ ist textlich an ein Gedicht von dem irischen Lyriker William Butler Yeats angelehnt. Eine Geschichte über die Anderswelt und den Verbindungen zu der unsrigen. Eine Gastmusikerin, die diesen Song mit ihrem Cello bereichert, ist Maya Fridmann. Maya war zusammen mit Jyoti Verhoeff der Act vor Faun, bei ihrer Von Den Elben – Tour. Eine runde Aufarbeitung von historischem Liedgut.

Olivers klare Männerstimme verzaubert in diesem zu Beginn langsamen Lied. Der Sound baut sich allerdings auf und wird im Refrain, zusammen mit dem Chor, recht episch. Der Song „Hekate“ handelt von einer besonders vielfältigen Göttin. Sie vereint gleich mehrere Funktionen, wie die Weiblichkeit und die Verbindung zum Mondzyklus.

Eine wundervolle Hommage an eine Begegnung. Die Stimme von Stephan verleiht dem Lied „Blaue Stunde“ etwas einzigartiges. Zusammen mit den Drehleierparts und dem Instrumentalpart, ist hier ein richtig großartiger Sound entstanden. Tanzbar und mitreißend. Definitiv einer meiner klaren Favoriten auf dem Album.

Endlich zeigen die Faune wieder ihr Können, was die Verwendung anderer Sprachen als der Deutschen angeht. In traditionellem Latein wird bei „Cuncti Simus“ der Mutter Maria gehuldigt. Ruhige Parts verschmelzen ausdrucksvoll mit schnelleren Stellen, sowie die unterschiedlichen Stimmen der Bandmitglieder, zu einem großen Ganzen.

 

 

„Hörst du die Trommeln“ ist ein mächtiges, sehr rhythmisches Stück. Ein tanzbarer Sound, der Live bestimmt viel Spaß machen wird.

Ein Duett zwischen Magierin und dunklem Zauberer. Hell und dunkel wechseln sich hier bei „Die wilde Jagd“ ab. Denn der Müller aus der Sage verfolgt sein Objekt der Begierde, bis der Morgen seinem bösen, dunklen Treiben ein Ende macht. Da hat er sich wohl mit der falschen Frau angelegt. Eine interessante Geschichte, die an Märchen wie Krabat erinnert.

Das Wiegenlied verströmt einen unwiderstehlichen Zauber. Die satte Melodie umspült den Hörer quasi, oder legt ein seidenes Tuch über die Sinne. „Frau Erde“ entwirft ein schönes Zusammenspiel zwischen Text, Gesang und Instrumenten.

Hymne der Nacht“ beschäftigt sich mit der Mondgöttin, die unter vielen verschiedenen Namen in allerhand Kulturen bekannt war. Eine wahre Hymne an die Kraft der Dunkelheit, die nicht nur Bösem vorbehalten ist. Der Geist erweitert sich und macht Platz für Eindrücke, die am Tag nicht in unser Bewusstsein dringen. Die sanfte Stimme von Oliver unterstreicht die Hingabe zu dieser Welt und dieser Vorstellung.

Ein langsames Heimatslied, mit den am stärksten erkennbaren Elektronikeinflüssen. In „Abschied“ wurde auf ein Gedicht von Joseph von Eichendorff zurückgegriffen, dass die heimische Natur beschreibt.

Wind und Geige XIV.“ 2014. Eine Neuauflage des Faun-Klassikers. Mit diesem Stück beginnen die Zusatzlieder auf der Deluxe-Edition. Lebende Dinge sind in einem stetigen Wandel, so auch lebendige Musik. Mit einem Text von Morgenstern wird hier die Vergänglichkeit und Schönheit des menschlichen Lebens verdeutlicht.

Interessante Rhythmuswechsel wurden bei „Die Lieder werden bleiben“ verwendet. Ebenso wird die Melodie von weisen Worten begleitet. Dieses Lied ist wieder ein Auszug aus dem Leben auf Reisen, auf großer Fahrt, auf Tour.

Ein weiteres Lied in anderer Sprache, Spanisch in diesem Fall. Die Harfenklänge in der seichten Melodie entführen den Hörer in die Welt der Faune. Die tieftonige Flöte verstärkt diesen Effekt noch. Ein Arrangement, dem ich sehr gerne lausche. „Erna Escuro“ ist wie das Rauschen des Windes an einem warmen und sternenklaren Sommerabend.

 

Fazit: Nachdem Von den Elben ein heiß diskutiertes Album war, das sowohl Freunde wie auch Gegner hatte, sollte Luna definitiv wieder näher an das ansiedeln, was FAUN ausmacht. Vielfalt, musikalisch sowie teils auch wieder sprachlich, Texte aus vielen unterschiedlichen Kontexten. Können und Neugier verbinden sich hier wieder zu einem sehr runden Konzeptalbum. Zwar kommt es für einen langjährigen Faunfan noch nicht an allen Stellen wieder an den Sound heran, trotzdem kann die CD nur empfohlen werden.

Wertung:     

Eure JayC

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