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EDEN WEINT IM GRAB - Geysterstunde II

Knarrende Bodendielen, Stimmen hinter dem Rauschen aus dem Radio, die Klaue, die nachts nach deinem Fuß packt, wenn du mit der Decke über den Kopf gezogen in deinem Bett liegst. Kerzenflackern und Klopfen vom Dachboden.
Sofern ihr beim Lesen des oberen Absatzes entsprechend unwohl-wohlige Bilder in euren Köpfen habt und euch gern mit Spukgeschichten der stilvollen Sorte auseinandersetzt, so seid ihr mit EDEN WEINT IM GRAB und deren am 29.08. erscheinenden Album „Geysterstunde II“ bestens bedient. 
Mittlerweile gibt es ja doch die ein oder andere Düsterkapelle aus dem deutschsprachigen Raum, aber meiner Meinung nach fängt keine bisher so kompakt und stimmungsvoll eine schaurig schöne Atmosphäre ein, wie es die Berliner mit diesem Silberling tun. Wo uns Eisregen mit ihrem Dampfhammer-Charme Splatterorgien um die Ohren prügeln (und mittlerweile auch eine Art Death-Pop) gehen z. B. The Vision Bleak atmosphärisch schon eher in die Richtung von EwiG. Dies soll allerdings nur als grobe Richtung dienen für diejenigen, die mit dem Namen EwiG bisher noch gar nichts anfangen konnten.


Die Berliner kredenzen uns ein buntes – oder sollte ich eher „in Grautönen und Sepia gehaltenenes“ Potpourri aus Gothic/Dark/Black Metal mit einer Prise Jahrmarktromantik, Morbidität und Schauerpoesie.
Auf siebzehn Stücken ziehen sie aus um uns das Fürchten zu lehren, jenseits von Blutlachen, Eingeweiden und abgetrennten Gliedmaßen. Hier wird der Horror durch die Worte und die Melodien greifbar und fühlbar. Mal nachdenklich und schaurig, mal leicht wirr und irre oder grimmig sperrig, ganz im Sinne der Altmeister Poe oder Lovecraft.
Der Gesang wechselt hierbei facettenreich vom melodischen ins keifende oder auch mal in rein gesprochene Form. Alle siebzehn Stücke hier abzuhandeln würde den Rahmen sprengen, denn gerade die Texte sind selbstredend einer der wichtigsten Bestandteile. „Geysterstunde II“ erzählt uns kleine Horrorgeschichten untermalt mit dem passenden Klang.

 


Sei es beispielsweise „Mein geisterhaftes Grammophon“, das die Poltergeistthematik aufgreift oder „Wesen aus dem Nichts“ – eine fast fröhliche Polka-Nummer mit Tuba und Klavier. Eine kleine aber feine morbide Kammermusik über „etwas“, dass auf dem Dachboden des Protagonisten sein Unwesen treibt.
„Radio Totenfunk“ ist eine Art kleines Hörspiel, der Text in Gedichtform vorgetragen, untermalt lediglich von White Noise, den geisterhaften Störgeräuschen aus dem Radio.
Mit „Aurelia“ wird es Black Metal lastig und ein Toter klagt darüber, dass er von seiner Liebsten aus seiner kalten Grabesstätte abgeholt werden möchte.
Auch eine Version der „Sage von der weissen Frau“ ist auf dem Album zu finden, was mich persönlich übrigens veranlasst hat mich bei Wikipedia mal näher mit diesem Thema zu befassen.
EwiG sind etwas Besonderes, da sie unkonventionell und fantasievoll sind und über eine Spielzeit von ca. 70 Minuten wieder und wieder für Abwechslung sorgen und die Worte in Verbindung mit der Musik wunderbar immer wieder aufs Neue ein Kopfkino entstehen lassen. Hört euch dieses Album abends im Schein einer Kerze an und lasst euch von EwiG zu einer Geysterstunde der besonderen Art verführen.

Anspieltipps:
- Mein geisterhaftes Grammophon
- Wesen aus dem Nichts
- Radio Totenfunk
- In der Lichtferne
- Aurelia
- Somnambule

Wertung:     

 

 

 

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