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Equilibrium - Erdentempel

„Was lange währt, wird endlich gut“. Dies suggeriert der Volksmund und genau so heißt es auch im ersten Refrain auf dem Album „Erdentempel“, dem neuen Output der bayerischen Pagan- oder, wie die Gruppe ihre Musik selbst bezeichnet, Epic Metal – Band „Equilibrium“. Diese wissen zweifelsohne, wovon sie da sprechen: Vier Jahre lang mussten die Fans sich gedulden und auf das lang ersehnte, neue Album warten. Doch nun ist „Erdentempel“ da und bietet altbekannte Elemente, sowie frische Ideen und nicht zuletzt eine Equilibrium – Truppe, die stärker und besser klingt als je zuvor.

 

Dabei gab es im noch frühen Jahr 2014 erst einmal eine Hiobsbotschaft für die Fans: Die Gründungsmitglieder Andreas Völkl an der Gitarre und Sandra Van Eldik am Bass gaben Ende März ihren Austritt aus der Band bekannt. Besonders für alteingesessene Fans dürfte dies natürlich eine bittere Pille gewesen sein. Glücklichweise fand man mit Dominik Crey, bekannt durch seine Tätigkeiten bei „Wolfchant“ und „Nothgard“, an der Gitarre, sowie mit Jen Majura, welche bereits mit Bands wie „Knorkator“ oder „Rage“ zusammengearbeitet hat, Nachfolger, welche mit Erfahrung zum weiteren Schaffen der Band beitragen können. In diesem Zusammenhang sei auch den beiden Aussteigern alles Gute für den weiteren Weg gewünscht und den neuen Mitgliedern viel Glück und eine gute und lange Zeit bei der Band. „Erdentempel“ jedenfalls wurde noch mit den beiden ausgestiegenen Mitgliedern aufgenommen und bietet daher in instrumentaler Hinsicht die gewohnte und beliebte Kost. Teilweise stellt sich vielleicht das Gefühl ein, dass der Härtegrad ein wenig zurückgeschraubt wurde, was dem Album jedoch nicht schadet, da es zum einen noch immer vollends nach Metal klingt und zum anderen so gleichzeitig noch etwas mehr Platz für melodiöse, episch anmutende Instrumentalisierung eingeräumt wird. „Waldschrein“ etwa, welches schon 2013 auf der gleichnamigen EP veröffentlicht wurde, ist hierfür ein sehr gutes Beispiel.

 

Sänger Robse Dahn ist nun zum zweiten mal in Albumlänge dabei und wurde schon auf dem Vorgängerwerk „Rekreatur“ im Vergleich zu seinem Vorgänger Helge Stang scharf kritisiert.  Dies war seinerzeit aus meiner Sicht schon ungerechtfertigte Kritik, doch spätestens „Erdentempel“ könnte die Feinde des, nun, mittlerweile nicht mehr ganz so neuen Sängers, umdenken lassen. Seine Growls und Screams klingen intensiver und druckvoller noch als auf „Rekreatur“ und über weite Strecken sogar sehr verständlich. Beim schon oben angesprochenen Song „Was lange währt“ etwa, versteht man nahezu jedes Wort, ohne die Lyrics mitlesen zu müssen. Ein Komfort, der beim Growl – und Screamgesang ja nicht immer selbstverständlich ist. Dankeschön, Robse. Aber gibt es in Sachen Gesang auch eine Weiterentwicklung? Ja, die gibt es - und zwar in Form von cleanem Gesang, welcher auf den vorherigen Alben höchstens in Form von Gastbeiträgen vorkam. Der „eigene“ Cleangesang war bereits auf gleichnamigem Stück der „Waldschrein“ - EP zu hören und wird hier nun weiter ausgebaut. Robses cleane Gesangsparts fallen im Vergleich zu den für die Band üblichen Gesangsstilen zwar eher gering aus, passen aber gut in das Gesamtbild der Musik und wirken nicht aufgesetzt oder unpassend, wie man es befürchten könnte.

 

 

Inhaltlich bleibt die Band auf „Erdentempel“ sich und ihrem Stil größtenteils treu. Wie man es gewohnt ist, finden sich ernstere Thematiken, wie auf „Karawane“ (man beachte hierbei die vor allem die tolle Message des Songs, sehr lobenswert!) oder „Stein meiner Ahnen“ neben ausgelassenen Feierliedern wie „Unsrer Flöten Klang“ oder dem, schon alleine wegen des Titels originellen „Wirtshaus Gaudi“. Im eingangs bereits erwähnten Song „Was lange währt“ setzen Equilibrium sich auf humorvolle Art und Weise mit ihrer relativ langen musikalischen Abwesenheit auseinander. Dies und der sehr eingängige Refrain machen ihn zu einem der besten Songs des Albums, auch wenn die Lyrics im Refrain zum Teil vielleicht etwas gezwungen klingen mögen, tut dies der Sache keinen Abbruch. Großartige Refrains, welche lange im Ohr bleiben, sind auf dem Album generell keine Seltenheit und finden sich bei fast allen Songs. Zwei Lieder möchte ich nun noch besonders hervorheben und zwar handelt es sich um die direkt aufeinander folgenden „Apokalypse“ und dem, erstmalig mit englischem Text versehenen, „The unknown Episode“. Diese bilden zusammen nämlich ein großartiges Finale für das an dieser Stelle fast schon durchgelaufene Album, aber der Reihe nach: „Apokalypse“ macht seinem Namen alle Ehre, genau darum handelt nämlich auch der Text im Wesentlichen. Um Krieg, Tod und Zerstörung. Allerdings nicht im Stile einer Met- Bier- und- auf- nach- Walhalla- Schlachtenhymne, sondern mit einer bedrückenden, bedrohlich wirkenden Atmosphäre, durch die der dennoch sehr eingängige Song durchaus auch zum Nachdenken anregt. Die Kinderstimme, die gegen Ende einen Sprechpart übernimmt, passt da perfekt rein. Unbedingt zu empfehlen, möglicherweise sogar der stärkste Song des Albums. Die beklemmende Stimmung wird duch das darauf folgende „The unknown Episode“ aufgelöst, welches im Grunde gegensätzlich zu „Apokalypse“ steht. Hier geht es wesentlich ruhiger zur Sache, abermals bleibt der Refrain im Ohr hängen und der Song schafft es auf gekonnte Weise so etwas wie Zuversicht und ein positives Gefühl zu vermitteln. Ich weiß natürlich nicht nicht, ob die Band mit Absicht diese beiden Lieder aufeinander hat folgen lassen, doch so oder so war es die beste Entscheidung, denn sie wirken auf mich tatsächlich, als ob sie zusammengehörten. Deshalb höre ich sie mir auch meist direkt hintereinander an und komme nicht umhin, mir etwas Freiraum für eine Interpretation zu lassen: Ungeachtet der Lyrics, nur vom reinen Hören, wirkt es einfach so, als würde in „Apokalypse“ die Erde zerstört werden und in „The unknown Episode“ neu entstehen, friedlicher, besser und schöner, als sie es zuvor war. Einen besseren Schlussstrich hätte man unter das Album nicht ziehen können, weshalb ich persönlich finde, dass man nach „The unknown Episode“ auch wirklich hätte Feierabend machen sollen. Der abschließende, instrumentale Longtrack „Aufbruch“ ist keineswegs schlecht, aber vielleicht wäre es besser gewesen, die Zeit in zwei oder drei weitere neue Songs zu investieren und diese in der Mitte des Albums anzusiedeln, sodass es mit den gerade beschriebenen Liedern wirklich ausklingen könnte. Aber das ist nur meine persönliche Sichtweise der Dinge, man kann sich die Songs ja glücklicherweise gesondert anhören.

Fazit: „Was lange währt, wird endlich gut“, ist wie schon erwähnt nicht nur eine Redensart, sondern auch das Programm für „Erdentempel“. Lange währte es, das ist wohl war. Und, wurde es auch gut? Meine klare Antwort: Definitiv! „Equilibrium“ sind unverkennbar noch immer „Equilibrium“, bringen aber mit ihrem neuen Album jede Menge frischen Wind in ihren eigenen Stil und sorgen sowohl für Unterhaltung, als auch für ordentliche Gänsehaut - Momente. Ich habe alle vier Alben der Band, ich mag alle vier Alben sehr gerne, aber „Erdentempel“ ist aus meiner Sicht eindeutig das beste „Equilibrium“ – Album bisher. Und wer weiß – vielleicht währt es bis zum nächsten Album diesmal ja nicht ganz so lange. Aber bis dahin wünsche ich allen  Hörern viel Spaß mit „Erdentempel“, welches ich nur weiterempfehlen kann.

 

Anspieltipps:

Apokalypse

The unknown Episode

Karawane

Was lange währt

Wirtshaus Gaudi

Stein meiner Ahnen

Waldschrein

Wertung:     

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