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Leviathan - Beholden to nothing, braver since then

Fünfzehn Songs, davon ein paar sogar mit einer Spieldauer von neun bis Zehn Minuten. Da ist der Pascal doch erstmal beschäftigt, als ihm „Beholden to nothing, braver since then“ der amerikanischen Progressive Metaller „Leviathan“ vorliegt. Und tatsächlich handelt es sich um ein Album mit einer Spieldauer von satten 75 Minuten, die wirklich viele positive Überraschungen bieten, allerdings auch aus so einigem an überflüssigem Material bestehen.

Das für mich interessanteste, wenn ich ein Album einer mir noch unbekannten Band höre ist in der Regel der Opener, über den die erste Kontaktaufnahme stattfindet. Und hier punkten Leviathan schon einmal mit „A shepherds work“, welches auf ein recht gelungenes Spoken Word – Instrumentalintro folgt. Die Riffs gehen gut ins Ohr, sind nicht überladen und daher angenehm zu hören, der Refrain sitzt einigermaßen schnell fest und die Stimme des Sängers ist auch ein Pluspunkt des gesamten Albums, sie passt sehr gut zur Musik und klingt angenehm, könnte auch aus dem Power Metal – Bereich stammen. Also kurzum, die erste Begrüßung verlief schon mal positiv, doch wie geht es weiter?

Unverkennbar setzen „Leviathan“ auf einen eingängigen Sound, der um Tempowechsel und ins Ohr gehende Riffs und Refrains bemüht ist. Und das gelingt ihnen vor allem zu Beginn des Albums wirklich souverän. Das Songwriting, gerade in instrumentaler Sicht hebt sich durchaus von anderen Bands ab und beschert einen gewissen eigenständigen Sound mit wirklich gelungenen Arrangements, die die richtige Balance zwischen Melodik und Härte einhalten. Die Bandbreite der Songlängen reicht von kurzen Instrumental –  und Spoken Word - Zwischenstücken wie „Solitude begets ignorance“ mit einer knappen Minute Laufzeit über vier – bis fünf Minuten – Songs, zum Beispiel „Intrinsic Contentment“ bis hin zu Titeln, die die sieben Minuten – Marke knacken wie etwa „Creatures of Habit“, welches ich übrigens an dieser Stelle schon einmal unbedingt empfehlen möchte, da dieser Song die Bandbreite an Abwechslung und dem Potenzial, das in dem Album steckt eigentlich recht gut widergibt.

Der mitreißende Charakter, der sich zu Beginn des Albums durchaus aufbaut, flaut leider aber auch relativ bald wieder ab. Etwa mit „A Testament for non believers“. Man kann das gerne anders sehen, aber für meine Begriffe wirkt der Gesang eher sperrig und das Songwriting bietet hier nicht die Genialität, die es sonst zum Teil auf dem Album parat hält. Das direkt darauffolgende, über große Teile Instrumentale neun – minütige „If the Devil doesn´t exist“ lässt da schon eher wieder aufhorchen und bietet einige auch melancholisch anmutende Ideen, die man aber durchaus auch in auf eine kürzere Spielzeit hätte komprimieren können, da doch auch viel mit Wiederholungen gearbeitet wird. Aber das ist wohl Geschmackssache, dieser Song ist generell nicht allzu einfach zu bewerten. Auf der einen Seite ist er wie gesagt musikalisch sehr ansprechend umgesetzt, allerdings, oder vielleicht gerade deswegen wäre es eventuell besser gewesen, aus dem Song ein kürzeres, reines Instrumental zu machen. Was soll man von „Magical Pills provided“ halten? Auch hier überwiegt das instrumentale und bietet ein paar hypnotisch klingende Melodien und Spoken Word – Einlagen, aber hätte das wirklich knappe sieben Minuten des Albums einnehmen müssen? Ich denke nicht.

Das Album hält den Kurs, den es im ersten Drittel einschlägt und der vielversprechend wirkt, leider nicht konsequent ein und verliert sich spätestens ab dem Mittelteil in ausufernden und zum Teil belanglos wirkenden Momenten. Wo bitte bleiben die Songs der Güteklasse eines „A shepherds work“? Davon merkt man später leider kaum mehr etwas. „Beholden to nothing“ als quasi – Titelsong lässt vielleicht noch einmal aufhorchen, aber damit hat es sich dann im Wesentlichen auch.

Das Album legt einen vielversprechenden Start hin, nimmt sich dann aber selbst gehörig den Wind aus den Segeln. Die gutklassigen Songs, die darauf vertreten sind, können das Belanglose nicht aufwiegeln und so bleibt ein Album, das insgesamt über den Durchschnitt kaum herausreicht. Schade, denn Leviathan haben gerade im ersten Drittel des Albums bewiesen, dass sie nennenswertere Songs schreiben können, als die, die sich ansonsten auf dem Album befinden... vielleicht klappt es beim nächsten Mal ja besser. Dies hier würde ich insgesamt nicht als „schlecht“ bezeichnen, überzeugt hat es mich allerdings nicht.

 

Anspieltipps:

A shepherds work

Creatures of Habit

Beholden to nothing

 

Wertung:     

 

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