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Saltatio Mortis - Das schwarze Einmaleins

Das Erste, das man sieht, sollte auch zuerst Erwähnung finden. Was für ein Artwork! Saltatio Mortis stehen schon lange für eine anspruchsvolle und mit dem Sound harmonierende Gestaltung. Dieses Mal haben sie sich mit Matt Dixon einen richtig großen Fisch geangelt. Jede der Versionen hat ihren eigenen Charme, was den Stil betrifft. Blau und Brauntöne bestimmen dabei die Hintergrundszenerie. Allgemein in einem vom Steampunk angehauchten Stil gehalten, ist dieses Mal die ganze CD frei von Fotos.

[Ein kleiner Exkurs zum Thema Steampunk:

Weil ich in Rezensionen schon viel darüber lesen musste, glaube ich ist das Folgende angebracht. Steampunk hat sich aus dem Cyberpunk entwickelt und gehört zur Science Fiction. Es geht darum, dass der Computer schon im victorianischen Zeitalter erfunden wurde und auch funktionsfähig war. Technik und dadurch auch die Gesellschaft entwickelten sich anders. Dampfkraft ist das bestimmende Element. Da bei Saltatio Mortis sowohl Zauberkraft, also auch Fabelwesen eine Rolle spielen, würde ich dieses Setting dem Genre Fantasy zuordnen. Wahrscheinlich kann daraus genauso eine Diskussion entstehen, wie die, ob Star Wars nun Science Fiction oder Fantasy sei.]

Wenn ich die unterschiedlichen Hintergründe bei den Charakteren sehe, freue ich mich jetzt schon total auf den versprochenen Comic dazu. Allgemein sind sie sehr detailreich und für mich definitiv das Artwork-Highlight des musikalischen Jahres 2013.

Aber nun zur eigentlichen CD Review… (dieses CD-Hüllen-Design hat einfach ein wenig mehr Aufmerksamkeit verdient)

„Früher war alles besser!“ Das signalisiert hier schon das Intro mit einem Schallplattenspieler-Sound. Pure Ironie, denn eigentlich weiß jeder, dass die Vergangenheit verklärt wird. Wieso nur ist man dann doch hin und wieder versucht, den Aussagen zuzustimmen? Zu den frechen und auch anklagenden Textzeilen passt das fröhlich rockige Arrangement. Der Sound und das Gesamtpaket bieten hier aber einen Feiersong mit Augenzwinkern.

Oft betont wird aber, das ein moderner Spielmann nicht nur feiert. In der Tradition steht es auch, die Gesellschaft für die Probleme der Zeit aufmerksam zu machen. Mit „Wachstum über alles“ zeigen Saltatio Mortis ihre musikalisch harte Seite. Zu den Gitarrenriffs spielt der Dudelsack im Refrain das Lied der Deutschen nach der Melodie von Joseph Haydn. Wer viel wagt … Da jeder für seine eigene Welt verantwortlich ist, sollte sich vielleicht auch jeder selber ansehen und sich fragen, inwieweit dieser Text zutrifft. Natürlich funktioniert es auch, dieses Lied zu hören und allen anderen für soziale Ungerechtigkeit, die Finanzkrise  und weiteres die Schuld zu geben.

Ein weiteres Thema, was wieder vermehrt in die mediale Präsenz rückt. Krieg. Sei er nun wie in diesem Lied von religiösem Fanatismus ausgelöst oder durch andere „Gründe“. Hier ganz klar die Aussage: Nur der Tod gewinnt im Krieg, denn „Krieg kennt keine Sieger“.  Eine traurige Melodiestruktur, leicht orientalisch angehaucht, beginnt in diesem Song. Diese wird mit der Zeit wütender. Dazu passt die Stimme von Alea dem Bescheidenen besonders gut. Eher traurige, ruhige Passagen wechseln sich mit dem härteren Refrain ab. Textlich besonders gelungen ist hier der Übergang des Wortes Krieg, von der Strophe zum Refrain (Ausnahme Strophe 1). Kein Krieg bringt Sieger hervor, sei es allgemein eine Radikalisierung, die Kreuzzüge, Glaubens- oder Gebietskriege…

Bei „Der Kuss“ könnte die geneigte Hörerin etwas anderes erwarten, als es der Inhalt dann wiedergibt. Es geht um eine Dame, die ihre Zärtlichkeiten an den Meistbietenden verkauft. Mit den Jahren sinkt allerdings ihr Marktwert, bis sie irgendwann selber für einen Kuss bezahlen muss. Die Zeit geht halt an niemandem vorbei und keine Tat bleibt ohne folgen. Trotzdem ist das Lied von der Melodie fröhlich und unbeschwert, wahrscheinlich so unbeschwert, wie die Protagonistin, als sie noch jung war.

„My Bonnie Mary“ kommt von der Liedstruktur, mit Trommeln und Whistle, zu Beginn wie ein klassischer March daher. Das einzige Lied in englischer Sprache, besonders dabei ist der schottische Akzent, mit dem hier gesungen wird. Aus der Feder von Robert Burns, einem schottischen Dichter, wird hier die Geschichte von einem Mann erzählt, der seine Liebste verlässt, um in die Schlacht zu ziehen.

Langsam und ruhig geht es mit „Sandmann“ weiter. Dieser ist eine Figur aus der Mythen- und Sagenwelt, die alles andere als nett und niedlich ist. Wie auch schon in den Schauergeschichten von E.T.A. Hoffmann, zeigt sich die Figur aus dem Kinderfernsehen hier als leibhaftiger Albtraum. Unterstützt werden Saltatio von dem jungen Vokalensemble Kaiserslautern. Ein Lied auf das ich mich persönlich gefreut habe, seit die Hörproben online waren. Erwartungen – erfüllt!

Erst langsam, zeigt sich hier wieder die härtere Seite von Saltatio Mortis. „Satans Fall“, die Geschichte eines gefallenen Engels. Hier zeigt sich textlich ein breit gefächertes Bild von dem was das allgemein Böse genannt wird. Sehr menschlich, denn derjenige, der falsch abbiegt oder eine falsche Entscheidung trifft muss dann auch mit den Folgen leben. Ein Trauerlied des Teufels…

Ein sehr schönes Dudelsackintro! Bei „Idol“ geht es um die Frage, ob ein Mensch überhaupt ein Vorbild sein kann. Jeder hat eine Meinung und eine Idee über andere, vor allem, wenn diese Menschen in der Öffentlichkeit stehen. Das Statement der Saltaten ist dabei eindeutig, sie wollen keine Vorbilder sein, denn sie sind auch nur Menschen, mit allen guten und schlechten Seiten eines gelebten Lebens. Auf faire Weise wird hier mal Tacheles mit den Fans geredet. Vorbilder sollten immer hinterfragt werden und nicht einfach nur dem stupide gefolgt, was gerade IN ist. Nach dem Motto, seid ihr selbst und das ist gut so.

Zum Dudelsack mischen sich elektronische Elemente. Höchst melodisch wird der Song eingeleitet, der der CD ihren Namen gegeben hat.“ IX“, neun, ein Lied mit eingängigem Refrain. Oft wird da auf Subway to Sallys Sieben hingewiesen. Aber außer der Zahl im Refrain sind die Themen der Lieder unterschiedlich. Ein finsterer Magier, der sich in seinem Element wirklich gut auszukennen scheint. Hier hat sich Lasterbalk an einigen Zahlenmythen, an Numerologie versucht.

Die „Galgenballade“ ist ein Stück, aus der Feder von Francois Villon, übersetzt von Paul Zech und abgerundet von Lasterbalk. Villon ist ein französischer Dichter des Spätmittelalters, mit Verbindungen zur Kriminellenszene Nordfrankreichs. Wohl des Öfteren nur knapp an der Verurteilung vorbeigekommen, erzählen seine Gedichte vom harten Leben. Erzählerische Teile wechseln sich mit Gesang ab. Langsam und mit sattem Sound baut sich das Lied auf. Die Trommeln erschaffen hier eine besondere Stimmung. Ein wirklich schönes Lied (musikalisch gesehen), das auch perfekt zur Marktmusik von SaMo passt.

Ein sehr orientalisches Intro gibt es für „Abrakadabra“. Hier geht es um den zweiten Magus auf dieser CD. Ein sehr mächtiger Mensch, der für sein Wissen und seine Macht aber die Liebe hintenan stellen muss. Eine Geschichte, die auch durchaus auf unsere heutige Zeit übertragen werden kann. Ein kraftvoller, instrumentaler Mittelteil rundet das Arrangement dieses Songs ab.

Sehr metallig und hart kommt der nächste Track daher. Schnelle Drums und harte Gitarrenriffs bestimmen den Sound bei „Nur ein Traum“. Trotz des starken Soundgewands geht der Gesang des Fronters nicht unter. Im Text wird es wieder gesellschaftskritisch. Metaphorisch erleiden Gerechtigkeit, Mut, Barmherzigkeit, Zusammenhalt, Zuversicht und Wahrheit ein Martyrium verschiedenster Foltermethoden.

Doch die Saltaten können auch ganz anders. Mit Klavier und sanften Gitarrenklängen entführt die Ballade „Randnotiz“ ihre Hörer. In altdeutscher Sprache singt hier Alea zusammen mit Emma Härdelin von Garmarna. Emmas stimme scheint wie für den Song geschaffen zu sein und verleiht ihm dadurch etwas ganz Besonderes. Zarte Worte und feinste Klänge hätte der Hörer zum Schluss fast nicht mehr erwartet. Dafür ist es aber ein umso besserer Abschluss.

 

Fazit: Allgemein präsentiert sich hier ein Album, das musikalisch sowie textlich hart und unbequem sein kann. Sozialkritisch werden Themen wie Krieg, Gerechtigkeit und Krise angesprochen. Es geht um ungewollte Veränderung und schlechte Zeiten. Trotzdem macht es Spaß diese CD zu hören. Es ist eine CD für Freunde härterer Musik, die sich nicht einfach nur berieseln lassen wollen und mit offenen Ohren, Augen und mit offenem Herzen durch die Welt gehen. Für alle Dudelsackfans ist noch zu erwähnen, dass die Sack-Parts nicht zu kurz kommen und auch im Zusammenspiel mit anderen Instrumenten geht der Sound nicht unter.

Wenn die Saltaten mit ihrer kritischen Einstellung das Rad nicht neu erfunden haben und Gesellschaftskritik auch an anderer Stelle zu finden ist (Danke dafür, an alle!), dass die Herren mit Freude und Herzblut bei der Sache sind hört man dem schwarzen IXI an.

 

Wertung:      

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