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The Sandsacks - Far Away

Für ihr neues Album „Far Away“ haben sich die Folker aus Berlin Unterstützung geholt. Seit kurzem gibt es von The Sandsacks auch Folk-Rock zu hören. Zu der ursprünglichen Vier-Mann-Besetzung kommen nun Drums und E-Gitarre dazu. Diese neue Formation passt musikalisch gut zu den traditionellen Instrumenten, wie es auch schon andere Gruppen gezeigt haben.

Zuerst wieder zum Artwork der CD. Cover und Booklett sind in einem rockigen Stil gehalten, mehr oder weniger schwarz-weiß mit einzelnen Farbakzenten (Berlin-Großstadt-Stil). Auch beim Folk-Rock darf das Wappen der Sandsacks nicht fehlen, obwohl es hier erst auf den zweiten Blick auffällt. Im Booklett finden sich die Texte der Eigenkompositionen von der Band, die Texte der Traditionals wurden dort ausgelassen, weil sie bekannt und über das Internet zugänglich sind.

Mit Gitarrenriffs beginnt der erste Song des Albums. „Botany Bay“, ein Folksong über die Überfahrt von britischen Gefangenen nach Australien. Der Sänger des Liedes ist ein verurteilter Dieb und warnt alle anderen davor, das gleiche zu tun, weil sie dann auch sein Schicksal ereilt. Ein Song aus einem Musical, der schnell zu einem Volkslied wurde. Hier im rockigen Gewand mit E-Gitarre und Drums.

Far away“, ein Lied über die Vergänglichkeit. Sei es nun das Ende einer großen Liebe oder einer Freundschaft. Die Aussage ist allerdings, was auch passiert, wie dunkel die Welt auch erscheinen mag, es kann wieder besser werden. Es kommt nur darauf an, was wir selber aus unserem Leben machen und aus den Chancen, die sich bieten. Ein schöner Rocksong, der mit tollen E-Gitarren-Parts aufwartet. 

Wie auch andere Songs dieses Albums sagt der Song „Life Ain’t Nice“, dass das Leben auch mal schwierig sein kann. Hin und wieder muss man da einfach drüber stehen und auf ein wenig Glück hoffen. Eine fröhliche Grundmelodie mit Gitarren und Geige führt den Hörer durch das Lied. Ganz gemäß der irischen Lebensweisheit: Could we worse!

Der Klang von Geige und Low Whistle bilden hier das Intro für „Come On And Dance“. Eine Auswanderergeschichte, über die großen Hoffnungen, die damals auf den Famine-Schiffen (während der Hungersnot in Irland beispielsweise) mitfuhren. Es wirkt wie ein Lied, das die Passagiere so eines Schiffes in der Nacht vor der Abfahrt gesungen haben, um sich aufzumuntern, um sich Mut zu machen. Denn eigentlich ist die Geschichte der Auswanderungsschiffe eine sehr traurige, die zu der fröhlichen  Melodie und des aufmunternden Textes gar nicht passen mag.

Ein Lied über die Kämpfe und die Plünderungen in Irland. Ein relativ tiefes Klangspektrum und ein Drumpart beginnen bei „Emerald“ (Thin Lizzy). Ein recht gewaltig wirkender Instrumentalpart zwischen den Strophen kommt mit harten Gitarrenriffs, Drums und Dudelsack daher. Ein leichterer Part wird von Tin Whistle und Bodhran unterstützt. Ein recht martialischer Text mit der passenden Musikalischen Begleitung, die nach den gesungenen Passagen auch gut alleine stehen kann. Leider geht der Dudelsack neben der E-Gitarre in den Rockparts manchmal etwas unter.

Mit prägnantem Intro zeigen hier The Sandsacks was sie können. Eine Stärke ist der Einsatz der unterschiedlichen Stimmen der Band, hier in Strophe und Chorus. „New York Lassies“ ist ein selbstkomponiertes Stück, das es Textlich und Musikalisch mit den Traditionals aufnehmen kann. Sehr schön sind die Parts in denen die Mandoline klar im Vordergrund steht.

Bei „Ride On“ beginnt ein ganz reduziertes Intro, nur mit Gesang und Dudelsack (Bordunton). Zur traurigen Grundstimmung passt die Instrumentierung mit Low Whistle und Geige auf den Punkt. Nur, was ist da mit der Tonqualität bei dem einen Instrumentalpart los? Ein kleines Knistern, vielleicht kommen da auch einfach meine Boxen nicht hinterher. Die sehr tiefe Klangstimmung des Liedes fängt das Thema ein, etwas loslassen zu müssen.

Im nächsten Stück wird eine berühmte Schlacht der schottischen Geschichte besungen. 1314 kämpften die Schotten unter der Führung von Robert the Bruce gegen die Engländer und gewannen. „Bannockburn“ kommt textlich wie eine Erzählung daher, dem man im Refrain deutlich entnehmen kann, auf welcher Seite The Sandsacks damals gestanden hätten. Deutliche Dudelsackparts bestimmen den Refrain, wobei die Strophen musikalisch eher dezent gehalten sind.

Mein persönlicher Liebling der CD. „Bonnie Ship“ hat einen leichten Rhythmus und eine fröhliche Melodie. Wieder kommen Tin Whistle und Mandoline zur Geltung. Langsamere Instrumentalparts wechseln sich mit schnelleren Textpassagen ab. Dieses Lied ist ein Lied der Matrosen auf dem Walfänger The Diamond. Ein Abschiedslied in dem von den Erwartungen an die Reise berichtet wird, von den Walen, die sie fangen werden und dem Geld, das die Besatzung verdienen wird. Was unerwähnt bleibt ist das Ende der Diamond. Diese verschwindet nämlich entweder 1819 oder 1830 im Eis bei Grönland.

Ein echter Traditional findet sich hier mit „Home Boys Home“. Dieser berichtet über einen Landgang von einem Seemann und was ihm dann so auf seinem Landgang passiert ;) Zur Mitte hin mit einem schönen Instrumentalpart, Tin Whistle.

Lachlan Tigers“, ein australischer Folksong, erzählt von einem Schafscherer. Lachlan ist ein Fluss in Australien, an dem viele Schafweiden liegen. Mit markantem Gitarrensound und einem E-Gitarren und Geigen-Part in der Mitte.

Einer der Klassiker im Irish Folk, der schon von so mancher Band gespielt wurde. Die „Irish Rover“ um die es hier geht, ist ein Schiff mit unglaublichen Ausmaßen und unglaublicher Ladung. Leider, leider wurde das Schiff aber von einer Krankheit heimgesucht, bei der alle Besatzungsmitglieder starben. Außer dem Hund. Aber der Hund des Captains ist leider gestorben, als die Irish Rover auf mysteriöse Art kenterte. Somit kann nur dieser letzte Seemann von dem großartigen Schiff erzählen. (Wieso nur? J )Mit Tin Whistle und Schlagzeug macht sich diese Interpretation des Songs wirklich gut.

Schwer, wie der Nebel im Hochland, wogt die Melodie von „In The Fog“. Die Geschichte des Songs kann man regelrecht nachfühlen. Als würde man selber im Nebel stehen und sich danach sehnen endlich wieder frei und unbeschwert sein zu können. Ein treibender Rhythmus erinnert den Hörer aber daran, das auch so eine Situation nicht aussichtslos ist, wenn man nur für seine Überzeugungen Kämpf. Bis zu dem Punkt, wo nur noch das Schicksal entscheiden kann. 

 

Fazit: „Far Away“ ist auf jeden Fall ein Album für Fans von Irish-Scottisch Folk. Die Traditionals sind besonders interessant, weil sie nicht nach dem typischen Chema nachgespielt wurden, sondern von The Sandsacks nach ihrem Stil interpretiert wurden. Was nicht bedeutet, dass die Lieder vollkommen anders wären und ihren Charakter dadurch verlieren. Die unterschiedlichen Stimmen der Sänger  passen gut zu den Liedern und geben dadurch eine größere Vielfalt, was den Gesang betrifft. Traditionelle Instrumente werden mit modernen Gemischt. Damit ergibt das Album einen runden Eindruck.

 

Wertung:      

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