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Scar the Martyr - Scar the Martyr

Da spielt einer bei einer erfolgreichen Band und kommt unterdessen auf die Idee, nebenbei noch seine eigene zu gründen und mit dieser tätig zu sein. So etwas kommt immer wieder vor und nun war Slipknot - Drummer Joey Jordison dran und rief Scar the Martyr ins Leben. Das gleichnamige Debutalbum "Scar the Martyr" steht in den Läden und dürfte beweisen, dass die Band eine aussichtsreiche Zukunft vor sich haben könnte.

Natürlich misst man den Sound einer solchen "Tochterband" erst einmal an der Hauptband des Gründers. Hier lässt sich sagen, dass Scar the Martyr durchaus Parallelen zu Slipknot aufweisen, besonders was den Gesang betrifft - obwohl hier in vielen Liedern der angenehm klingende Cleangesang vorherrschend ist. Musikalisch befindet man sich meistens im Up - Tempo Bereich, gibt sich jedoch um einiges melodischer als Slipknot und die Musik von Scar the Martyr hat, besonders durch das Schlagzeugspiel, einen deutlichen Industrial - Einschlag.

Schwer einzuordnen also, diese Gruppe. Nu Metal? Es sind sicher Merkmale vorhanden, ja. Industrial Metal? Auch davon ist die Musik beeinflusst, klar. Letztlich ist sie aber recht eigenständig und kaum eindeutig kategorisierbar. Was aber auch nicht zwingend notwendig ist, denn es geht hier ja um die Musik an sich.

Diese ist wirklich stark und überzeugend. Selbst wer mit dem teils doch sehr rudimentärem Sound der Marke Slipknot nichts anfangen kann, könnte vielleicht einen Blick riskieren. Die Songs auf dem Debütalbum von Scar the Martyr klingen wesentlich strukturierter, weniger chaotisch und kommen bisweilen auch recht eingängig daher. Lieder wie der Opener "Dark Ages" oder "Mind´s Eye" überzeugen durch starke, mitsingbare Refrains, die hängen bleiben und zum Teil Ohrwurmpotenzial haben. Und das bei Songs, die zu einem nicht unerheblichen Teil über Sechs Minuten lang laufen. Sperrig, oder gar ohne roten Faden in sich verloren wirken sie dadurch nicht. An Härte, da sei der geneigte Headbanger beruhigt, mangelt es dem Album jedoch keineswegs: Die Riffs sind hart, das Schlagzeug knallt ordentlich. Zum headbangen und moshen sind die Songs sicher gut geeignet, weshalb ich auch keine Zweifel daran habe, dass sie live sehr gut funktionieren und Laune bereiten.

 

 

Leider gelingt es "Scar the Martyr" nicht, das hohe Niveau über die gesamte Spielzeit zu halten. Auch wenn das Liedgut an sich gelungen ist, eine gewisse Monotonie stellt sich bei 14 Songs dann doch irgendwann ein. Hier wäre weniger vielleicht mehr gewesen, vor allem da viele Lieder der zweiten Albumhälfte an die einleitenden, fast durchgehend spitzenmäßigen Stücke qualitativ nicht mehr ganz heranreichen wollen. Nichtsdestoweniger bietet das Album aber genügend Material, um seine Existenz mehr als zu rechtfertigen und nicht in der Welt der belanglosen Neuerscheinungen unterzugehen.

 

Fazit: "Scar the Martyr" liefern hier ein Debut ab, das sich wirklich sehen lassen kann. Man bleibt seinen Nu - Metal - Wurzeln in gewisser Weise treu, bietet aber ein insgesamt weitreichenderes Spektrum verschiedener Klänge, was zu gefallen weiß. Auch wenn sich unter dem Strich nur einzelne Lieder, besonders aus der ersten Hälfte, in der ganz oberen Güteklasse ansiedeln liegt ein überzeugendes, erfrischendes Gesamtwerk vor. Und bei einer Spielzeit von Sage und Schreibe 73 Minuten darf ja auch mal der ein oder andere langweiligere Moment dabei sein. Ich bin mit dem Debutalbum der noch jungen Gruppe zufrieden und schon gespannt, wie es mit Scar the Martyr weitergeht. Verdient hätten sie sich den Erfolg meiner Meinung nach auf jeden Fall.

 

Anspieltipps:

Dark Ages

Soul Disintegration

Cruel Ocean

Mind´s Eye

 

Wertung:     

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