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KlangGespinst - Zankapfel

Das Bandprojekt „KlangGespinst“ ist eine Zusammenarbeit der mittelalterlichen Folkbands PurPur und Saitenweise.

PurPur besteht aus den Zwillingen Christine und Judith Rauscher, die Mitglieder von Saitenweise sind Michael Höfer und Sarah Krause. Als Gastmusiker haben sie sich für ihr gemeinsames Erstlingswerk Sibylle Frizz und Christian Reiter mit ins Boot geholt.

Ihr Album „Zankapfel“ erschien am 20.08.2015 und enthält 13 Lieder, die einen Einblick in die aktuellen Programme der einzelnen Bands, sowie deren Lieblingslieder geben. Es ist eine Mischung aus der Vertonung althochdeutscher Texte, Stücke aus dem Irish Folk, Eigenkompositionen, sowie schwedischen und mazedonischen Traditionals.

Das Cover des Albums zieren drei Birnen und ein Apfel. Ein Gemälde, welches genauso gut in alten Wirtshäusern hängen könnte. Das Booklet ist in warmen Orangetönen gehalten, es enthält die Liedtexte, sowie Informationen zu den einzelnen Stücken und zu dem Bandprojekt selbst.

Beim Opener „Merseburger Zauberspruch“ hat man das Gefühl, man sitzt mit am Lagerfeuer. Der Text wird zunächst parallel von zwei Stimmen gesprochen (auf Althochdeutsch und Neuhochdeutsch). Feuer knistert im Hintergrund. Danach wird das Lied gesungen. Sehr harmonisch auf einander abgestimmte Vocals machen Instrumente in diesem Lied überflüssig. Einzig das Geknister des Feuers begleitet das Stück. Der Text stammt aus dem 10. Jahrhundert, die Melodie hat F.Wulff geschrieben.

Weiter geht es mit „Avalon“. Das Lied wurde von Nicholas David Keir verfasst. Erzählt wird eine Geschichte rund um die geheimnisumwobene Insel Avalon aus der Sicht des König Loths. Auch hier hören wir wieder schön auf einander abgestimmte Stimmen, die von Gitarren begleitet werden. Lagerfeuerromantik pur.

„The Reason I left Mullingar“ schrieb Patrick Cooksey. Das Stück handelt von einem irischen Arbeiter, der in London sein Glück sucht. Flöten und Gitarren erklingen im Intro. Die Lagerfeuerromantik geht weiter.

In „Beltane“ wird der Übergang von Winter zum Frühling beschrieben. Aufbruch, neues Leben und Frieden für das Land werden besungen. Low-Whistle und Gitarren laden zum Träumen ein ergänzen den elfengleichen Gesang. Text und Melodie stammen von Headha (Michaela Schmiedl, Athionchollú).

 

Bei „Bläck“ handelt es sich um ein schwedisches Traditional und erzählt von einem Mann, der um Tinte für einen Liebesbrief an seine Liebste bittet. Leider gibt es keine komplette Übersetzung des Textes. Dank toll aufeinander abgestimmter Vocals ist auch hier wieder Lagerfeuerromantik garantiert. A capella zu singen kann nicht jeder- KlangGespinst können es!

„Des Lebens Kreis“ stammt aus der Feder der Band Saitenweise. Das Lied beschreibt den ewigen Kreislauf des Lebens. Ein schönes Mitsinglied mit Tiefgang.

Weiter geht es mit „Dindirindin“. Es stammt aus dem 15. Jahrhundert, der Autor ist unbekannt. Die Übertragung schrieb Judith Rauscher. Man vermutet, dass der Originaltext eine Mischung aus dem Italienischen, Französischen und Spanischen ist. Bei diesem Lied gibt es eine englische Übersetzung im Booklet. Vom Lagerfeuer machen wir nun einen Ausflug in eine Kathedrale. Das Lied ist a capella gesungen. Episch!

„Bedlam Boys“ ist ein Traditional und basiert auf dem Antwortgedicht „Mad Maudlin's research“ zur ursprünglich noch berühmteren Ballade „Tom O' Bedlam“. Aufgewacht, jetzt wird getanzt!

„Dimna Juda“ ist ein mazedonisches Traditional. Hier gibt es eine deutsche Übersetzung im Booklet. Es geht um eine böse Feengestalt, die im Gewand einer schönen jungen Frau die Männer zur Heirat verführt und ihre Seelen stiehlt. Das Intro lässt die bösen Stimme der Fee erklingen, die nichts gutes im Schilde führt. Dieser Gesang findet sich im Mittelteil wieder. Ungewohnt, aber interessant und fesselnd.

Von Mazedonien geht es weiter nach Schottland, genauer nach „Loch Lomond“. Das Traditional wird a capella gesungen. Sehr klare aufeinander abgestimmte Stimmen. Strophe für Strophe ist eine Steigerung zu erkennen, die in der letzten Strophe in einem großen Finale gipfelt.

Die Vorlage von „Der Werwolf“ lieferte Artur Fitger. Überarbeitet haben es die Mädels von PurPur. Der Text ist sehr düster. Es geht um ein Geheimnis zwischen zwei Liebenden und um einen damit verbundenen Fluch. Stimmungsmäßig sind wir mit diesem Duett wieder zum Lagerfeuer zurück gekehrt. Besonders zur Geltung kommt hier das wunderschöne Cello-Spiel von Sibylle Frizz.

„The parting glass“ ist ein irisches/schottisches Traditional. Michael Höfer singt hier die Solo- Parts. Seine kraftvolle Stimme wird teilweise von den melodischen Sopranen der Mädels begleitet.

Der Bonustrack „Blackstep“ basiert auf dem Traditional „Black is the colour“. A capella gesungen und nach meinem Empfinden etwas gewöhnungsbedürftig. Wie gut, dass Geschmäcker verschieden sind.

 

Fazit:

Ein sehr schönes Folk- Album. Die Band hat mich mit ihren sehr klaren und reinen Stimmen überzeugt. Die Lieder sind gut gewählt und das Album klingt für mich nach einer runden Sache. Der Fokus liegt ganz klar auf dem Gesang und auf den Texten der Lieder.

Teilweise klangen die Stücke für mich etwas zu ähnlich. Ich hätte mir etwas weniger Lagerfeuerromantik und etwas mehr Abwechslung gewünscht.

Dennoch freue ich mich auf den Nachfolger (bzw. die nachfolgenden Alben der beiden Bands, die zusammen das KlangGespinst bilden) und möchte jedem, der Lagerfeuerromantik-Folk liebt, dieses Album wärmstens ans Herz legen.

Wertung:     

Eure Morgaine

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