W E R B U N G

Tell You What Now – failsafe:entropy

Die fünf Berliner Jungs gründeten Tell You What Now bereits 2012. Jetzt, fünf Jahre später, stehen Frodo, Phil, Flo, Paul und Luke mit ihrem zweiten Album bereit, die Herzen der deutschen Metalfans höher schlagen zu lassen. Ob sie das hinbekommen, werde ich mir mal ansehen und anhören.

Das Artwork auf dem CD-Cover eine kapuzenverhangene Gestalt, die anstelle eines Gesichts das Empire State Building zeigt. Passend, bei den englischsprachigen Texten und allgemeingültigen Themen. Das Nachtblau zieht sich durch das komplette Artwork, das von Wolken und Nachthimmel geprägt ist.

„The failsafe“, was so viel wie ausfallsicher bedeutet, beginnt ruhig, nahezu melancholisch mit Klaviersound, im Hintergrund läutet eine Glocke. Der Übergang von melodisch ruhiger Musik hin zu dem typischeren Metalsound verläuft nahezu nahtlos. Ein stimmungsvoller Einstieg in das, was die Hörer nun erwartet.

Der zweite Song steigt vom ersten Ton sofort ein. „Deep dive“ erzählt auf der offensichtlichen Seite von dem Kampf ums Ertrinken. Übertragen kann man dieses Ringen um das eigene Leben allerdings vielfältig auf Ängste und Probleme anwenden. Mit der Endaussage: wer aufgibt hat schon verloren. Die kleinen Details machen diesen Song interessant. Bereits gleich zum Anfang hört man ein Einatmen, bevor „breathe in“, atme ein, gesungen wird. Von der Musik her vermischen sich Shouting und „normaler“ Gesang, dazu kommen klare und eckige Gitarrensounds und natürlich Drums.

„Aerith“ ist nicht nur ein wichtiger Charakter aus Final Fantasy 7, sondern auch der Name des nächsten Liedes. Die Aussage von Aerith ist, dass wir alle unseres Schicksals Schmied sind und darüber hinaus zusammen immer stärker sind. Der Refrain ist äußerst eingängig und hat klares Ohrwurmpotential. Der vielschichtige und aus unterschiedlichen Lagen zusammengesetzte Gesang ist hier besonders interessant. Aber hört es euch selber an:

Über den Titel von „Apodictic“ lässt sich an sich bereits schreiben. „Apodictic“, die apodiktische Aussage, gehört in die Logik von Aristoteles und ist geprägt von einem unumstritten wahren Charakter. Der Songtext hat durch viele Anstöße in einem trotzdem recht offen gehaltenen Verhältnis von der allgemeinen Masse, zu der Band, zu ihren Hörern unterschiedlichste Interpretationsmöglichkeiten. Wahrscheinlich bleibt für mich am meisten die Botschaft hängen, wie wichtig es ist sich über verallgemeinerte Fakten hinweg zu setzen, diese zu hinterfragen und daraus seine eigene Meinung zu bilden.

„Sirens chant“ bedient sich der Sage über die Sirenen oder auch Meerjungfrauen, die arglose Seemänner in ihren Bann zogen und somit auch in die Tiefe. Das schöne Äußere versteckt hier eine verborgene zweite Wahrheit. Die Sirene wird zum Meeresungeheuer. Der Song beginnt mit einer langsamen Klaviermusik, die Stück für Stück den Song aufbaut, bis dieser Teil unterbrochen wird und der Shout einsetzt.

Von „Sirens chant“ geht der Rest des Songs direkt über in „Jenova“. Die Klaviermelodie, erweitert mit elektrischen Sounds, entwickelt sich hier noch weiter. Als ausgleichender Übergang in der Mitte der CD funktioniert „Jenova“ sehr gut und unterbricht den härteren Metalsound, der sich bis dato aufgebaut hat.

Darauf folgt mein persönliches Lieblingslied „Painkiller“. Natürlich hat da gleich der Beginn des Liedes einen großen Anteil daran. Sehr fein abgestimmter Chorgesang, mit vielschichtigem Sound, leitet „Painkiller“ ein. Die einsetzenden Drums öffnen den Sound und erweitern das anfängliche klangliche Bild, um später in die weitere Melodie einzusteigen. Das Lied handelt davon, wie wir uns selber und anderen Grenzen setzen.

„Warbringer“ hat zu Beginn eine einleitende Melodie, die den Hörer abholt. Die ersten Zeilen Text finden sich durchgehend im Lied wieder. Dieser Song ist zutiefst politisch und erzählt unterschiedliche heuchlerische und ungerechte Herangehensweisen an die Gerechtfertigung von Krieg und kriegerischen Handlungen. Ruhigere Gitarrenparts teilen den sonst harten musikalischen Grundton. An manchen Passagen im Text stellen sich meine Nackenhaare hoch.

Stirnfalten und verkrampfte Mimikmuskulatur lösen sich wieder, während man „Nibelheim“ lauschen kann. Dieses Instrumentalstück bringt mit dem Gitarrensound etwas Entfernteres und Erzählerisches mit ein. Es ist eine Art Ruhe zwischen den Stürmen. Dieses Lied nach „Warbringer“ einzubringen war eine wirklich gute Idee.

So wird der Hörer auf den nächsten Song vorbereitet, bekommt aber gleichzeitig etwas Zeit, um das zuvor gehörte zu verdauen. „Journey to Midgar“ baut sich zuerst aus dem Gitarrensound auf, bevor die Drums mit ihrem Rhythmus einsetzen. Der Text handelt von Entschlossenheit und der möglichen Bestimmung zu etwas Größerem. Zum Ende hin klingt der Song mit der Grundmelodie sanft und leise aus.

Die Stille wird allerdings sehr schnell und sehr hart wieder gebrochen. „Silver lining“, der Hoffnungsschimmer quasi, doch wie lange lässt sich die Hoffnung in einer unausweichlichen Situation bewahren? Die Guestvocals hört man hier besonders deutlich. Mit Ian Duncan haben sie sich eine Stimme rangeholt, die den Sound erweitert und dadurch eine andere Klangatmosphäre mitbringt. Das Stück hat darüber hinaus sehr gute Gitarrenparts, die den Sound noch abwechslungsreicher machen.

Als letztes Stück ist „The Entropy“ auf der CD. „failsafe:entropy“ ist somit abgeschlossen, blickt man hier zurück auf den Titel des ersten Liedes. Die Entropie ist die Beschreibung, warum in der Thermodynamik ein Teil der Energie nicht sinnvoll nutzbar ist. Es geht um das Nutzen seines Potentials und dass das eben auch mit Scheitern verbunden sein kann. Die Metalparts werden hier durch einen gesanglich, ruhigeren Teil durchbrochen.

Fazit: Ich denke nicht, das Tell You What Now mit dieser CD scheitern werden. Die Texte sind vielfältig und umfangreich an Verweisen und Denkanstößen, sodass sie unterschiedlichste Interpretationen zulassen. Musikalisch findet man hier, was man von englischsprachigem Metal erwarten würde, auch wenn dieser aus Berlin kommt. An manchen Momenten hatte ich das Gefühl, dass das Shouting durch die starken instrumentalen Backgrounds untergeht. Diese Wahrnehmung hat sich mit dem tieferen Befassen mit den Songtexten etwas verändert, da der Shouter trotzdem sehr klar die Worte formuliert. Dadurch geht die starke Aussage ihrer Lieder auch nicht verloren. Persönlich würde ich mir mehr Zeit zwischen den einzelnen Songs zum Einfinden und Ausklingen wünschen. Das passiert später auch mehr als zum Anfang, beispielsweise bei „Journey to Midgar“. Das Album ist etwas für alle Metalfans und diejenigen, die sich für tiefere Texte interessieren. Solange man sich gerne mal auf der härteren musikalischen Schiene bewegt, wird man sicherlich Lieder auf der CD finden, die einen begeistern.

Wertung:     

Zum Seitenanfang