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Interview mit Silvio und Tele von Hangatyr

 

Wie habt ihr euch kennengelernt und wie kam es dann zur Bandgründung?
Silvio: Im Frühjahr 2006 haben wir uns zusammengefunden, um Hangatyr zu gründen. Nachdem sich „Schwarze Stille“, eine eher lokal bekannte Band, bei der Ali und ich gemeinsam spielten, aufgelöst hatte, beschlossen wir weiter Musik zu machen. Tele (Incarnation, Summer‘s Dying) kannten wir schon länger und konnten ihn sofort als zweiten Gitarristen gewinnen. Marco hatte schon bei „Schwarze Stille“ Bass gespielt und Micha stieß nach einigen Besetzungswechseln im Juli 2009 zu uns. Er wurde von einem Bekannten in unserem Freundeskreis empfohlen, was sich im Nachhinein als Glücksgriff erwies.

Tele: Ja, das ist es in groben Zügen. Aus meiner Sicht war es halt so, dass Ali mich angesprochen hatte, ob ich nicht Bock hab, Teil des „Schwarze Stille“-Nachfolgers zu sein. Da ich (musikalisch gesehen) zu der Zeit „arbeitslos“ war und die Jungs eh schon lange kannte – sagte ich zu. Verwirrung stiftete nur, da ich ja zuvor Bass spielte, dass ich plötzlich mit 6 Saiten klar kommen musste – also zum Feinmotoriker werden ^^

Was führte euch zu der Entscheidung, Pagan Black Metal zu spielen?
Silvio: Ich denke dies war keine bewußte Entscheidung. Wir haben uns diese Sparte nicht absichtlich ausgesucht, sondern vielmehr versucht man, mit der Bezeichnung einer Stilrichtung grob vorzugeben, was den Hörer erwarten könnte. Nun, bei uns sind von beiden Arten gewisse Teile vorhanden, womit wir in diese Schublade passen würden.

Könnt ihr beschreiben, was für ein Gefühl ihr empfunden habt als ihr das erste Mal live vor einem Publikum gespielt habt?
Silvio: Den ersten Auftritt hatte ich im Mai 1998 noch mit der anderen Kapelle. Ich war ohne Ende aufgeregt, zum Glück hatten wir nur ein relativ kurzes Set und das Publikum war sehr gnädig mit uns, es bestand größten teils aus Bekannten und Verwandten, die ließen Milde walten.

Tele: Mein „richtiger“ erster Auftritt war schon vor nicht ganz so wenigen Leuten, glücklicherweise noch mit Incarnation am Keyboard, was heißt, dass ich relativ „versteckt“ stand… bis ich dann die Zugabe singen durfte… aber am Ende des Sets war die ursprüngliche Aufregung schon nicht mehr so präsent, so dass man dieses eigentlich schon ganz geile, erhabene Gefühl wahrnimmt, dass „die da unten grad genau MICH abfeiern“. Ich denke allerdings mit Grausen an unseren ersten Hangatyr-Gig zurück. Ich hatte die Aufregung (bei mir ist die eher vorhanden, wenn man vor vielen Bekannten spielt) mit ein paar Bierchen weg gespült. So aufgeregt wie ich allerdings war, mussten da auch viele Bierchen herhalten, was dazu führte, dass ich auf der Bühne mehr schlecht als recht spielte (um nicht zu sagen, völligen Mist zusammengeklampft).

Nun seid ihr aber doch schon seit längerer Zeit auch live tätig? Verschwindet das Lampenfieber irgendwann oder geht es euch noch immer so?
Silvio: Eine gewisse Aufregung ist immer vorhanden, selbst nach nun doch schon einiger Liveerfahrung. Aber das ein oder andere Bier vor dem Gig beruhigt die Nerven ungemein, allerdings, je später es auf die Bühne geht, desto schwieriger wird es, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. ;-)

Tele: Ich seh das auch so UND ich glaube, wenn eine Band völlig unberührt und ohne Aufregung auf die Bühne steigt, wird auch der Gig selbst steril und statisch wirken, emotionslos. Daher ist das schon ganz gut so, dass es immer wieder so sein wird.

Wer ist bei euch für Kompositionen und Texte zuständig?
Silvio: Das Songwriting läuft bei uns ein wenig unorthodox ab. Am Anfang eines neuen Songs ist ein Riff, der oftmals von Ali eingebracht wird. Um diesen baut sich die weitere Struktur, wobei jeder seine Ideen mit einfließen lässt. Wenn der grobe Ablauf des Songs steht, kommt die zweite Gitarre dazu, wo Tele sich auslassen kann, parallel schreibe ich den Text, ist das Musikalische fertig, versuche ich den dann umzusetzen. Im Prinzip arbeiten alle an der Entstehung eines neuen Liedes mit.

Tele: Ja, so war es in fast allen Fällen, es gibt – glaube ich – überhaupt nur einen Song, dessen Grundriff von mir stammt. Macht aber gar nichts, der Song ist immer das Gesamtwerk aller. Macht das Ganze authentisch und ehrlich. Es hat sich für uns einfach so bewährt. Es ist kein MUSS, vielleicht kommt der Drummer mal mit nem geilen Riff und es passt einfach. Bisher waren wir mit dem diesem Weg zufrieden.

Was hat es mit dem Namen „Hangatyr“ auf sich, wie kam es zu dem Namen?
Silvio: Diesen Beinamen verdiente sich der Göttervater in einer Erzählung, die von Selbstopferung handelt, und zwar hing er neun Nächte an der Weltenesche Yggdrasil, sich selbst geweiht,verwundet durch ein Speer, welchen er eigens führte. Dies alles tat er, um Wissen und Weisheit zu erlangen. Die Essenz dieser Episode, etwas von sich zu opfern um etwas Wertvolles zu gewinnen, der Mut und die Kraft die dahinter steht, hat mich inspiriert „Hangatyr“ als Bandnamen vorzuschlagen. Zudem lässt sich der Name auch relativ gut merken und sagt eben etwas aus.

Wie definiert ihr euren persönlichen Stil? Was macht die Band Hangatyr aus?
Silvio: Unseren persönlichen Stil gibt es nicht wirklich. Jeder bringt sich, so gut er kann, ein. Ich glaube, was Hangatyr ausmacht, ist die Ehrlichkeit unserer Musik, wir wollen niemanden etwas vor, oder gar recht, machen. Einzig, wir müssen mit dem Ergebnis zufrieden sein und jeder von uns soll sich, mit dem was am Ende herauskommt, identifizieren können.

Tele: Na endlich… die „Schubladenfrage“ ;-) Ich sag es auch immer wieder, wir machen das woraufwir Bock haben, in einem sicherlich abgegrenzten Rahmen, der sich eben grob als Black Metal mit verschiedensten Einflüssen beschreiben lässt, aber – du findest die unterschiedlichsten Einflüsse in unserem Stil. Aber da sind wir wieder beim Vorteil des „gemeinsam-im-Proberaum“- Komponierens. Jeder kann gleich seine Meinung sagen und es zählt eben das Ergebnis, wie Silvio schon sagt.
 
 

Wenn ihr euer aktuelles Album „Elemente“ mit dem Vorgängerwerk vergleicht, was hat sich geändert?
Silvio: Die Songs sind komplexer und ausgereifter geworden. Der Sound ist wesentlich dynamischer. Das Drumming ist konstanter und präziser, was daran liegt, dass Micha dieses Mal auf Klick gespielt hat. Zudem haben wir uns wirklich viel Zeit für die Aufnahmen genommen, um das bestmögliche Ergebnis zu bekommen. Nicht zuletzt hat auch Christo (The Unholy Studio) großen Anteil, er hat sich echt Gedanken gemacht, wie er uns voranbringen kann und am Ende sogar die Bassspuren eingespielt. Die ganze Sache, hat dann noch Alexander Dietz (Chemical Burn Studios, Heaven Shall Burn) mit dem Mastering abgerundet.

Tele: Ich finde, trotz der Komplexität ist das Ganze sehr kompakt und etwas „geradliniger“ in seiner Grundstimmung geworden.

Empfindet ihr „Elemente“ als Weiterentwicklung eures bisherigen Schaffens?
Silvio: Aus den oben genannten Gründen würde ich definitiv ja sagen.

Tele: Sehe ich genauso.

Was ist eurer Meinung nach besonders gut an dem Album gelungen?
Silvio: Ich persönlich finde die Gitarrenarbeit am besten gelungen, aber bekanntermaßen sehen die Gitarristen das anders, oder was sagst du dazu Tele?

Tele: Im Vergleich zu „Helwege“ – JA. Aber wie ich immer wieder sage – es gibt immer Dinge, die man hinterher anders hätte machen wollen – nun, das sollte ja dann der Anspruch oder die Motivation für die nächste Scheibe sein. Mir gefällt das Drumming gut. Die Kritiken bemängelten auf der letzten Scheibe oft ein „holpriges“ Schlagzeug – da ist ein Riesen-Schritt nach vorn zu bemerken. Die Gitarren (nur aus meiner Sicht) passen besser zusammen, das stimmt schon. Besonders gut gelungen für mich persönlich, ist aber einfach der Fakt, dass es ein in sich stimmigeres Gesamtfeeling hat.

Auf welche der Songs darf man sich schon sicher live freuen?
Silvio: Soweit wir genug Zeit bekommen, werden wir alle Songs von „Elemente“ spielen, aber mit Sicherheit sind „Die Sprache der Zwölf“, „Gelobt und Gejagt“ , „Eisenwald“ und „Zersetzung“ dabei.

Tele: Mir persönlich machen „Eisenwald“ und „Die Sprache der Zwölf“ richtig Spaß zu spielen. Ist schon merkwürdig, dass „Eisenwald“ einer der Songs auf der Scheibe ist, der mir richtig gefällt, wenn man bedenkt, dass das eigentlich ein Relikt der letzten Scheibe war – oder vielleicht gerade deswegen?

Habt ihr einen Favorit – Titel auf dem Album, von dem man vielleicht sagen kann, dass er es am besten repräsentiert?
Silvio: Mein Highlight ist „Zersetzung“, aber eigentlich finde ich es schwierig einen Titel herauszugreifen, denn irgendwo haben alle ihre Besonderheit und machen dadurch das Album zu dem, was es ist.

Tele: Das kommt auf die persönliche Verfassung an… Jeder Song hat seine ganz eigene Stimmung, mal will man einen „in-die-Fresse-Song“ hören, mal braucht das Metaller-Ohr etwas kaltes, düsteres. Mit jedem Durchlauf der Scheibe entdeckt man andere „Elemente“ ^^ Wenn ich mich festlegen müsste, würde ich im Moment „Gelobt Und Gejagt“ wählen. Könnte aber in 2 Wochen schon wieder völlig anders sein.

Was wollt ihr euren Fans und Hörern noch mit auf den Weg geben?
Tele: Wer Bock und Zeit hat, sollte am 01. Februar in Jena im Café Wagner zur Release-Party auftauchen. Wer keinen Bock und keine Zeit hat – auch.

Silvio: Dem ist nichts mehr hinzu zu fügen.

 

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