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Knasterbart - Branntwein für alle!

Die Gossenband, die regelmäßig die Besucher des MPS begeistert, hat diese Formatio ihr neues Album rausgebracht. Auf diese Fortsetzung mussten die Fans zwar nicht allzu lange warten, dafür taten sie es aber umso sehnsüchtiger. Mit Recht, denn im Gerne des Gossenhauer Folk sind sie die einzig wahren Helden ihrer Musik.

Eine äußerst schmucke Branntweinflasche ziert das Cover. Der ganze Stil des Silberlings trifft den stolzen Besitzer dieses Meisterwerks wie der Inhalt eines Nachttopfs, der aus dem Fenster auf die Straße entsorgt wird. Die Jungs und Mädels wissen, wie es in der Gosse auszusehen hat und haben ein rundes Design abgeliefert. Ich mag schon fast sagen, ein Augenschmaus. Auf jeden Fall wurde das Motto der Band großartig und eindeutig umgesetzt.

Mit „Gossenhauer“ gibt es zu Beginn ein Liedlein, das die Band und das Konzept vorstellt. Diesen Einblick voraus zu schicken kann dem Verständnis der Musik nicht schaden. Feinster Folk-Rock gepaart mit dreckigsten Texten.

Der instrumentale Beginn des Liedes ist wesentlich unschuldiger, als das was dann folgt. Dass es nicht immer wahr ist, mit diesem „Geteiltes Leid ist halbes Leid“ wird hier geklärt. Der Text regt die Phantasie an und zwar auf eine Weise, die ich mir ganz gerne gespart hätte. Deswegen bleibe ich hier mal ganz Unkonkret, um welches Leid es hier genau geht. Die Melodie dazu ist herzlich munter und wenn ich mir einiges nicht so bildlich vorstellen würde, dann lässt sich das Lied mit einem Schmunzeln sehr gut hören.

Aber auch für den Pöbel darf es an der schulischen Bildung nicht fehlen, obwohl… schulisch? Über die Bildung kann man hier allerdings nicht streiten. Im „Gossenabitur“ gibt es auch wahre Meister. Dabei geht es um Fächer wie: Straf- und Steuerrecht, Läuseknacken und Zecheprellerei. Zu flotten Rhythmen wird hier der Schule eine Runde abgeschworen.

Gleich im Anschluss folgt der „Gossenabitanz“, der in seinem Aufbau den Zwischenstücken von Versengold ähnelt. Hier wird die Herkunft mancher Mitglieder der Band deutlich. Ein kräftiges Instrumentalstück, das das Gossenabi stilgerecht abschließt. Großartiges Geigenspiel des Herrn Fidolin.

Ein revolutionäres Lied, das die Gossenkinder anstachelt. Diese Umstände lassen sich auch nicht weiter dulden: Alle Macht dem Volke! Und „Branntwein für alle!“ . Dieses Lied enthält mit dem Ausspruch: Völker hört die Signale einen Wink zu dem äußerst bekannten Kampflied „Die Internationale“. Dieses Lied wurde von der sozialistischen Arbeiterbewegung im Kampf gegen die Großbourgeoisie gesungen.

 

 

Aber bei all den Liedern für Recht und gegen Geschlechtskrankheiten darf auch eine Ballade nicht fehlen. Beginnen tut das Lied für die „Jammerjule“ mit einem andächtigen Gesang und Gitarrenspiel. Ein schnellerer Refrain schließt daran an. Ein besonderer Teil dieses Liedes ist das Gejammer der Jule, die auch mal zu Wort kommen darf. Mit Orgel und Akkordeon eine großartige Mischung, die schnell ins Ohr geht. Jammerjule und Fummelfips passen so wunderbar zusammen.

Geige und Drums beginnen zusammen mit Geräuschen, die an einen Bauernhof erinnern. Dieses Lied erzählt von dem Morgen nach einer äußerst interessanten Nacht, der Titel verrät es in Ansätzen: „Lieber widerlich als wieder nich‘“. Und woher kommt nur diese Bratensoße? Die Melodie lädt den Hörer zum Schunkeln ein. Das Ende bildet die Melodie des wohlbekannten „I like the flowers“. Wer hat das nicht im Englischunterricht singen müssen?

Gott will es!“ Gewidmet einer DER Persönlichkeiten des Mittelalterlich Phantasie Spectaculum. Die Geschichte des Bruder Rectus, der für die Gossenjungs wohl einer der wichtigsten Menschen im Leben ist. Immer eine einleuchtende Erklärung parat. Das Gebete auf dem Silberling wird auch standesgemäß vom einzig wahren Bruder Rectus übernommen. Reinhören lohnt sich. Besonders gut ist auch hier wieder die Geige und darüber hinaus noch der Backgroundchor.

Von den schrecklichsten Augenblicken des Lebens von Hotze erzählt das Lied „Kein Knaster im Knast“. Da redet sich der Gute den Knastaufenthalt schön. Die Musik untermalt die zwei unterschiedlichen Teile im Text. Ist Hotze traurig und fast schon ein wenig ängstlich, hört man eine spanisch/ südländisch klingende Gitarre und dazu Bass und Mandoline. Während Hotze versucht sich selber was vorzumachen ist auch die Musik fröhlich und beschwingt, als wolle sie ihn dabei unterstützen.

Ein großartiges Lied folgt in Form von „Mein Stammbaum ist ein Kreis“. Hier muss der Hörer möglicherweise zwei, drei Mal hinhören, was dem Fips da passiert war. Manchmal erinnert dieser Song an Countrymusik. Wie es der Fummelfips aber hinbekommen hat, sein eigener Opa zu werden… das schafft wirklich nicht jeder! Die Verwirrungen in diesem Lied sind einfach genial und nicht sonderlich unwahrscheinlich, das kann schon mal passieren. Nur aus dieser Sicht musste das mal betrachtet werden.

Danach folgt ein zweites Instrumentalstück, bei dem die Geige wieder klar federführend ist. Der „Hinterwäldlertanz“ bildet die Brücke zum nächsten Lied.

Ach Hotze, was machst du nur immer! „Ich trinke also bin ich“ ist das Motto vom Herrn Knasterbart. Hier erfährt der Hörer einen Schwank aus dem Leben des „Überfliegers aus dem Unterkader“.

Das nächste Lied ist wieder eine Geschichte aus dem Leben eines Bandmitglieds. Dieser Song erklärt, warum der Knüppel Kalle A: zu seinem Namen gekommen ist, und B: zu der Band stieß. „Knüppel Kalle“ kann mit gut eingesetzten Chören punkten. Teils klingt das Lied ähnlich wie der Sound von Feuerschwanz.

Zum Schluss kommt mein absolutes Lieblingslied von der Platte. Mit „Horst die Filzlaus“ übertreffen sich die Gossenmusiker noch ein Mal. Diese absolut ernst klingende Ballade, wunderschön untermalt mit Klavier, Geige und Chor, ist dem engsten Freund von Hotze gewidmet. Seiner Filzlaus. Dass die kleine Laus seine Gefühle erwidert und nicht nur alleine schmarotzt ist so herzzerreißend schön.  Da haben sich zwei gefunden! Und ich habe Tränen gelacht.

Fazit: Wer seine Musik lieber seriös und sittsam mag, der sollte sich vielleicht anderen Genres zuwenden. Dieser „doppeltgebrannte Ohren-Fusel“ ist größtenteils nichts für zart besaitete Seelen. Wer es aber mit einem Augenzwinkern mag, der ist bei Knasterbart goldrichtig. Diese Mixtur kann einen Heidenspaß machen.

Eure Filzlaus… äh JayC

Wertung:     

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